JahresEndZeitProgramm 2021

Es war kalt und zugig vor dem Schillertheater, und da wir im Zeitalter des Covidiums leben, war es angebracht, sehr zeitig vor dem Beginn der Show da zu sein. Ergo war es noch länger kalt. Die Türen wurden geöffnet, und das Foyer füllte sich. Mit absoluter Selbstverständlichkeit traten die Besucher artig mit gezückten Smartphones und Ausweisen in die Reihen. So auch ich mit meiner Begleitung. Zügig ging es, dank routinierter Kontrolleur*innen vorwärts. G2+ wurde verlangt. Obwohl geboostert, sollten wir nun noch einen aktuellen Negativ-Test vorlegen. Wir blickten uns irritiert an. Es gab nun zwei Möglichkeiten zum Testen: Zum Bahnhof Zoo laufen und erneut in einer Schlange frieren und garantiert zu spät zur Veranstaltung wieder zurück zu sein oder in einem provisorisch mit Tüchern abgetrennten, hausinternen Testzentrümchen für 6 Euro pro Nase sich zu legitimieren. Zweiteres wurde unsere Option. Mit gequälten Riechorganen, da die Stäbchen toilettenbürstenmäßig waren, konnten wir endlich unsere Tickets am Kartenschalter empfangen. Obwohl überall stand, dass im gesamten Haus FFP2-Maskenpflicht herrsche, trug im Theatereinlassbereich kaum einer eine. So drückten wir uns etwas im Abseits herum. Im Saal, kurz vor Beginn der Veranstaltung, gab Christoph Jungmann, die Angela Merkel des Quintetts, aus dem Off dem Publikum Bescheid, dass während der gesamten Spiellänge, die Masken zu tragen seien. Das funktionierte. Aber wir waren schon bedient.

Das Programm war kurzweillig. Es hatte jedoch nicht die Genialität von 2020 erreicht. Stabil und klassisch die wunderbaren Musikbeiträge von Manfred Maurenbrecher und die köstlichen Parodien von Hannes Heesch, der als Germans Best Top Money-Model Lindner oder Virenguru Droste eben so cool war, wie als Entschuldigungsclown Laschet.

Horst Evers überrascht – nicht mit der von ihm bekannen Art irre Texte zu präsentieren – sondern vor allem brillierte er mit seiner enormen Bassstimme bei den gemeinsamen Songs.

Bov Bjerg, dessen erster Roman ‚Dead Line‘ (von 2008) im August 2021 neu aufgelegt wurde, gab beim Song zum Berliner Wahldesaster „Ich fühl mich gut, ich wähl in Berlin“ (original ‚Berlin‘ von Ideal) den lässigen Frontmann.

Jedoch, was sein Text von 2016 ‚Die Modernisierung meiner Mutter‘ mit diesem Jahresrückblick auf 2021 zu tun haben könnte, leuchtete zum mindesten mir nicht ein, obwohl ich genauso wie er einen böhmischen Migrationshintergrund habe. Christoph Jungmann spielte die charmante Angela, wie immer. Eines jedoch vermisste ich: Wie gerne hätte ich noch einmal die Raute gesehen!

Ton und Licht wurden bei der Show gelungen eingesetzt, und sehenswert war der Schluss, der damit endete, dass Bov Bjerg den fallenden Vorhang herbeiführte. Auf den Punkt.

Es war ein sehenswerter Theaterabend, jedoch kann es einem schon nahegehen, wenn man sieht, dass ein Drittel der Sitzplätze wegen der Abstandspflicht gesperrt ist und weiß, dass es genau die Anzahl der Plätze ist, die ein Theater benötigt, um in die Gewinnzone zu gelangen. Für uns war es bequem, dass man seine Jacken und Taschen auf dem Sitz nebenan positionieren konnte. Und doch bei all den Umständlichkeiten, die durch die Covidmassnahmen entstehen, muss es schon ein überdurchschnittlich reizvolles Programm sein, damit es mich erneut ins Theater lockt, zumindestens bei dieser Witterung.

Hier noch die Aufzeichnung aus dem Mehringhoftheater. Viel Spaß

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