Prosa

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HANSENS VERSUCH

„Eigentlich hab ich’s versucht!“, sagte Hansen am Telefon. Energisch versuchte er seinem Gegenpart, via Satellit seine aufrichtigen Bemühungen klar zu machen. Als er auflegte, hatte er nicht das Gefühl, dass seine Gesprächspartnerin ihm wirklich glaubte. Ihre letzten Worte hatte sie so geschickt gewählt, dass sie zwar keinen deutlichen Zweifel hegte, und dennoch weit weg von einer klaren Zustimmung war.

Wie oft in seinem Leben hatte er schon solche schwammigen Reaktionen ertragen. Wie oft hatten genau dererlei, unbefriedigend verlaufende Gespräche genervt. Er hasste die Menschen dafür. Egal ob er sich mit ihnen über behördliche Belange oder private Angelegenheiten auseinandersetzen musste.

Wie viele sinnlose Zeit hatte er seines endlichen Lebens damit schon verschwendet? Was hätte er alles in diesen verlorenen Stunden produktives erringen können? Das nervte ihn am meisten. Dieses Hamsterradverhalten, das auf sein Konto schlug. Es war ihm klar, dass er in seiner Position immer zur Opposition gehöre, und warten muss bis die Gegenseite sich bemüht mal zu agieren. Das kostet Zeit, seine Zeit! Wenn die nichts besseres mit diesem wertvollen Gut erwerben wollen, als dass man auf sie warte, dann sei es deren Problem und sie könnten dies auch gerne ein Leben lang so treiben, aber nicht mit ihm.

Er hatte es satt seine Zeit in solche gierenden Rachen zuschmeißen, seine Zeit in derartigen Bodenlosigkeiten zu versenken. Seine Zeit wurde von Sekunde zu Sekunde wertvoller, weil sie abnahm und er doch noch so vieles zu Wege bringen wollte.

Sein größter Zeitfresser war seine Gutmütigkeit. Nie konnte er Nein sagen. Das nervte ihn an ihm. Doch wolle er seine Gutmütigkeit niemals aufgeben, auch wenn er schon viel Lehrgeld dafür zahlte oder für seinen Einsatz nicht einmal ein Danke erhielt. Gar manchmal kam er wegen ihr in echte Nöte, doch es galt: Die Gutmütigkeit wird nicht zum Basar getragen. Die bleibt!

Er solle endlich einmal mehr an sich denken, endlich mal sich um sich selbst kümmern. Nicht immer alles für andere opfern. Das tat er wahrlich zu oft, und eben dies kostete seine Zeit. Er war nie einer der sich in den Vordergrund stellte, doch nun musste er sich etwas einfallen lassen. Er musste handeln.

Nach unruhiger Nacht erwachte er – naß vom Schweiß. Eine Zeitmaschine war zum Monster mutiert und hatte ihn vor den letzten Tag seines Lebens katapultiert. Er wollte nicht resignieren, er wollte so viel, wie es nun in diesem bemessenen Zeitraum noch möglich war, erledigen. Doch dann schlugen die himmlischen Glocken. Er verzweifelte.

Der Wecker war aus und er sammelte sich. Von nun an war ihm klar, dass er sich auf sich konzentrieren müsse, wolle er nicht unverrichteter Dinge aus seinem Leben gehen. So entschied er, alles zu überdenken und alles von einem anderem Standpunkt aus zu betrachten. Dann legte er los.

Es dauerte eine Woche bis er morgens so weit war, dass er als erstes sich fragte, was ihm wichtig ist. Mit dem Ergebnis konnte er leben. Bald merkte er, dass auch noch etwas Zeit über blieb. Diese nutzte er, um der einen oder dem einen und sogar noch andere zu unterstützen. Jetzt wo seine Zeit ihm gehörte kam sie ihm angenehm und flexibel vor. Er nahm sich Zeit, nutzte sie um seine Projekte zu konkretisieren. Er verlor keinen Augenblick um seine Ziele zu erreichen. Immer tiefer glitt er in seine Welt, in der er nun der Herr seiner Zeit war. Fasziniert und mit dem Gefühl schon so viel Zeit für Banales verloren zu haben, steigerte er sich immer emsiger in seine Pläne. Bald schlief er kaum und ernährte sich nur sporadisch. Aus dem einstigen Hamsterrad wurde nun ein Sog, ein Strudel der ihn mitriss.

Eines morgens wachte er in einer fremden Umgebung auf. Es war dunkel und doch hörte er die Menschen reden. Dann vernahm er ein Geräusch als klatschte etwas über ihn auf Bretter. Er fühlte dass er nur wenig Bewegungsfreiheit hatte und tastete mit seinen Fingerspitzen die Umgebung ab, so gut es ging. Allem Zweifel zum Trotz, er lag in einem Sarg. Mit aller Kraft bäumte er sich auf und schrie wie ein wundes Tier. Das Holz zerbarst und ein gleißender Lichtschein blitzte auf.
Fix und fertig war er und quälte sich, um auf seiner Bettkante zu sitzen. Sein Atem raste noch, dann viel der Schock von ihm ab.

Seine Augen blickten in die Sonne die mit aller Kraft auf sein Bett strahlte. Wie lange war er nicht mehr draußen gewesen, wie lange hatte er eigentlich ignoriert das Sommer war? Er wußte es nicht.

Erneut geläutert setzte er Kaffee auf und während das Wasser mit blubbernden und fauchenden Tönen das Getränk zubereitete, schmierte er sich ein Brot. Die Butter war ranzig, die Marmelade schimmelte farbenfroh und die Käsescheiben waren hart. Er nahm den Kaffee, kaute abwechselnd auf dem Brot und dem Käse und fasste sich an den Kopf. Nach und nach wurde ihm klar, dass er noch mal etwas an sich ändern müsse, wenn er nicht wollte, dass er auf seine Urne folgenden Satz eingravieren sollte:

„Eigentlich hab ich’s versucht!“

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ERICHS GROSSER TAG

Es ist zugig in der Straße, es fröstelt ihn. Tagsüber hatte die Sonne über der Stadt gestanden und die Mauern, sowie Gemüter erwärmt. Mit der Sonne um die Wette hatte auch seine gute Laune gestrahlt, den ganzen Tag. Doch jetzt ist er niedergeschlagen, weis nicht, wohin mit sich selbst. Es gibt nur noch ein Ziel für ihn: seine Bar.

Yvonne war heute mit dem Flieger in Tegel gelandet. Er hatte mit Rosen am Gate gestanden. Es hatte die Sehnsucht in ihm gepocht, er hatte sich toll gefühlt, unbesiegbar und gleichzeitig wie ein Kind, das sich auf Heilig Abend freut.

Die Anzeige, dass der Flug aus Zürich gelandet sei, hatte ihn immens erleichtert. Jede Bewegung, die hinter der großen Glastür des Ankunftsbereichs stattgefunden hatte, hatte er aufmerksam beobachtet. Dann hatte er sie entdeckt. Seine Prinzessin. Seinen Traum. Wild hatte er mit den Blumen geschwenkt, die sofort einige Blütenblätter abgeworfen hatten. Sie jedoch hatte Ihn nicht wedeln sehn – noch nicht, so hatte er sich selbst beruhigt.


Während er, von der U-Bahn kommend, rechts in die Grünberger Straße abbiegt, hält er unbewusst inne, an einer dieser brusthohen, grauen Installationen bleibt er apathisch stehen. Er stützt seine Ellenbogen auf den von Plakaten und TACs versehenen Kasten und senkt sein Gesicht in die Hände. Sein Gehirn scheint ihm einen Streich zu spielen, denn es setzt ihn direkt in die unbegreiflichen Ereignisse des Tages zurück. Wie in Trance erlebt er sich selbst aus der Vogelperspektive.

Er sah, wie das Trennglas sich öffnete, und sie heraustrat. Wie er stolperte – über diesen beschissenen Gepäcktrolli – und wie er im Sturz die gesamte Ladung herunterriss. Als er wieder auf den Füßen stand, war – war sie weg. Er lief sofort zu den Taxen. Er sah sie nicht. Er lief zu seinem Auto, doch auch das war weg. Er wollte nicht darüber nachdenken, er wollte doch nur endlich sie sehen. Um sein Ziel zu erreichen, sprang er selbst in eine der Taxen: „Charlottenburg – Knesebeckstraße, bitte“, hechelte er. Sein nächster Satz war: „Hier können sie mich rauslassen“. Jetzt sah er, wie er rannte, zu einer reich verzierten Tür, dem Portal seines Glücks, und klingelte.

Der Summer reagierte, und schon war er im vierten Stock, prustend dem siebten Himmel nah. Ihm stockte der Atem, und die Rosen zeigten, was er durchgemacht hatte.

Erich steht immer noch in der selben Haltung. Er ist so tief in sein Dilemma versunken, dass alles um ihn herum, wie surreale Ereignisse, an ihm vorbeizieht. Nicht einmal als er von einer Gruppe angetrunkener Hippsters angesprochen wird, reagiert er.

Er hörte nur, wie Yvonne ihn fragte: „Wo kommst du denn her?“ Auch durchströmte ihn das erleichternde Gefühl, das er verspürt hatte, als er ihr seine Geschichte erzählt hatte. „Das ist mir jetzt unangenehm, aber ich hatte ja nicht mit dir gerechnet“, hatte sie darauf nur kommentiert und dann vorgeschlagen: „Lass uns ins Terzo Mondo gehen. Ich habe auch einiges, was ich dir berichten möchte.“ Wie gesagt, so getan. Die Vorspeise hatte sich zwischen Wiedersehensgeplänkel mitgeteilt, doch beim Hauptgang war ihm der Bissen im Hals stecken geblieben. Da waren sie wieder, diese ihn schier ersticken lassenden Schluckbeschwerden, diese ohnmächtigen Momente, in denen Atemnot einen zum Kollaps treiben will, während sie frei und ergriffen von ihren neuen Plänen erzählte: Sie zöge in die Schweiz auf eine Alm und würde ihre Wohnung untervermieten. Ein Kindheitstraum erfüllte sich ihr endlich, und das alles mit einem tollen Mann, der sich aus der gehobenen Gastronomie zurückgezogen hätte. Angus oder Galloway Rinder wollte sie mit ihm züchten.

„Heidi und der Ziegenpeter“ und „Bauer sucht Frau“ schießt es ihm durch den Kopf und er sieht, wie ein riesiger Bulle diesen Lover niederreisst und mit seinen Hörnern aufspiest und über die Alm schleift bis er grausig zerflettert den Tod findet.

Auf die Hörner genommen hatte er sich gefühlt, als der Schmerz dieser Hiobsbotschaft ihn durchdrang. „Mensch, hast du ein Glück, das gönne ich dir von Herzen“, hatte er sich, wie aus anderen Galaxien kommend, stammeln gehört.

Verzweifelt und wütend auf sich prügelte Erich nun mit Fäusten und Knien auf das graue Teil ein, das ihm bis eben noch Stütze gewesen ist. Es springt auf, und gelbe Postkisten mit Briefen fallen heraus. Ein Chaos, wie er es in seinem Kopf verspürt, liegt nun zu seinen Füßen. Er schreit wie ein waidwundes Tier, rennt die Straße lang. Nach einigen Metern denkt er nicht mehr an die im Straßendreck liegenden Botschaften. Er erinnert sich nur, wie feige und erbärmlich er sich aus der Situation gerettet hat.

„Oh Mist, ich muss ja noch los, hab mich noch mit Tom verabredet. Sei mir nicht böse.“ so oder so ähnlich hatte er allen Ernstes gesagt. Artig die Rechnung beglichen, um dann mit den Tränen kämpfend, mit der U-Bahn zur Warschauer Straße zu fahren.

Jetzt stand er hier, kurz vor seine Bar. Der Platz, von dem er sich erhoffte, Geborgenheit und Ruhe zu finden. Mit geistigen Mixturen den eigenen Geist einfangen, beruhigen, notfalls vernebeln. Hauptsache dieser vulkanische Alptraum erlischt. Er steht vor der Tür, atmet noch einige Male tief durch und tritt ein.

Der Barmann grüßt ihn, stellt wie üblich einen Old Fashioned vor Erichs Nase und fragt: „Na Erich, was war bei dir den heute los?“ Erich leert den Drink in einem Zug, schaut den Barkeeper eine Weile stier an. Zeigt ihm, dass er noch einen will. Der Barmann reagiert sofort und stellt kurz darauf einen neuen Drink hin. Wieder schluckt Erich den Klassiker ohne abzusetzen hinunter. Dann antwortet er: „Bin bedient“, es folgt eine Pause, bevor er fortfährt: „Mir haben sie in Tegel das Auto abgeschleppt.“

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HOMMAGE ZWISCHEN, AN UND UM
HEINZ ERHARDT UND EUGEN ROTH

Oder: „Bäume, Bäume nichts als Bäume und dazwischen Zwischenräume und dahinter man glaubt es kaum, noch ein Baum – genug das ist der Lauf der Welt“

einer ist keiner und keiner ist weniger als einer alleine, alleine ist der einsame, der sucht das zweisame, driftet durch zeit und raum sitzt unter dem baum und träumt, trifft in sich exakt das leere, entleert den odem oder lehrt sich eines besseren und bäumt sich auf – weltenlauf besehend, nichts verstehend der inneren unruhe folgt er, dann sieht er was er sucht, weiß erneut es nicht zu schätzen gar zu halten, das spiel ‘einer ist keiner’ beginnt von vorne und in ihm glüht es, hinauf und herunter, vor und zurück, verzweifelt – doch sucht erneut nach glück findet es im ersten moment, und kapiert was er schon lange weiß, setzt sich nicht zu oft daneben, lernt endlich lektionen oder nur leben, geht seinem neuen ziel entgegen, nicht mehr allein, zweisam, gemeinsam doppelt die kräfte fließen, langsam träume sich vereinen und sprießen. trifft wieder auf die miesen, die, die seine ruhe ihm verdrießen, merkt aber das kann nicht sein und steht schon wieder allein. wird daraus nicht schlau, weiß aber genau, einer ist keiner und keiner ist weniger als einer alleine, alleine ist der einsame, der sucht das zweisame, driftet durch zeit und raum sitzt unter dem baum und träumt, trifft in sich exakt das leere, entleert den odem oder lehrt sich eines besseren und bäumt sich auf – weltenlauf besehend, nichts verstehend der inneren unruhe folgt er, dann sieht er was er sucht, weiß erneut es nicht zu schätzen gar zu halten, das spiel ‘einer ist keiner’ beginnt von vorne und in ihm glüht es, hinauf und herunter, vor und zurück, verzweifelt – doch sucht erneut nach glück findet es im ersten moment, und kapiert was er schon lange weiß, setzt sich nicht zu oft daneben, lernt endlich lektionen oder nur leben, geht seinem neuen ziel entgegen, nicht mehr allein, zweisam, gemeinsam doppelt die kräfte fließen, langsam träume sich vereinen und sprießen. trifft wieder auf die miesen, die, die seine ruhe ihm verdrießen, merkt aber das kann nicht sein und steht schon wieder allein. wird daraus nicht schlau, weiß aber genau, einer ist keiner und keiner ist weniger als einer alleine, alleine ist der einsame, der sucht das zweisame, driftet durch zeit und raum sitzt unter dem baum und träumt, trifft in sich exakt das leere, entleert den odem oder lehrt sich eines besseren und bäumt sich auf – weltenlauf besehend, nichts verstehend der inneren unruhe folgt er, dann sieht er was er sucht, weiß erneut es nicht zu schätzen gar zu halten, das spiel ‘einer ist keiner’ beginnt von vorne und in ihm glüht es, hinauf und herunter, vor und zurück, verzweifelt – doch sucht erneut nach glück findet es im ersten moment, und kapiert was er schon lange weiß, setzt sich nicht zu oft daneben, lernt endlich lektionen oder nur leben, geht seinem neuen ziel entgegen, nicht mehr allein, zweisam, gemeinsam doppelt die kräfte fließen, langsam träume sich vereinen und sprießen. trifft wieder auf die miesen, die, die seine ruhe ihm verdrießen, merkt aber das kann nicht sein und steht schon wieder allein. wird daraus nicht schlau, weiß aber genau, … noch nicht aufgegeben? Dann trink noch einen korn und beginn von vorn!

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D-MAILS, KOT UND KIEZNASEN

Seitdem ich in dieser Stadt lebe, sie liebe, entdecke ich trotz all meiner Umtriebigkeit oder wahrscheinlich genau wegen dieser von Neugierde behafteten Rastlosigkeit, fast täglich Neues. Manche Ereignisse sind nur für die Jugend neu und wir erleben diese als Retro. Schon schön, wenn es Dinge gibt, die uns als junge, stöbernde Menschen interessierten oder anmachten und nun die aktuelle Jugend wiederum diese Reize für sich auslebt und cool findet.

Leider gibt es mittlerweile einige Entwicklungen in Berlin, die mir aufstoßen. Umgangsformen, zwischenmenschliche, waren vor 20 bis 15 Jahren mit einer anderen Einstellung beseelt. Keiner fragte bist Du hetero- oder homosexuell, keiner quatschte dich schräg an, wenn Du mit Deiner Töhle am Damm warst, keiner monierte sich oder rief gar gleich die Polizei, weil ein Kreis Feierfreudiger etwas zu laut wurde. Ganz im Gegenteil, wenn eine Party war, schaute man auf ein oder mehrere Bierchen vorbei und lernte neue Leute kennen. So war es jedenfalls in Kreuzberg, Schöneberg, Charlottenburg und im Wedding. Das war unsere Normalität.

Heute kommt selten der Nachbar, sondern immer häufiger gleich die Vertretung der exekutiven Staatsmacht. Nicht weil die Langeweile haben, sondern, weil sie von doofen Anwohnern gerufen werden. Von Menschen zum Teil, die vor nicht all zu langer Zeit, sich selbst erdreisteten über die Stränge zu hauen. Von People, die hierher zogen, um sich hier zu verwirklichen und nun als gescheiterte Spießer in diesem Kiez vegetieren, sich aber als alte Kreuzberger bezeichnen. Von Neuberlinern, die ihre Provinzpossen, als Gentrifizierungs-beitrag mit im Gepäck haben. Von Wohnzombies. Und ebensolche scheinen es zu sein, die sich auch immer mehr leisten, einen blöde anzumachen.

Beispiel: Ich gehe mit meinen Hunden im Chamissokiez Gassi, klar freuen sie sich ihres Lebens und vor allem über die interessanten Neuigkeiten. D-mails checken, die in hormongeschwägerten Urintropfen mal an Hausecken, Laternenpfählen, Post- und Telekomkästen, vereinzelt herumflatternden Plastiktütchen etc. gesprüht wurden. Doc-Mails mit Informationen, deren Inhalt für uns, trotz aller Kommunikationstechnik, verschlüsselt bleibt. BND sichere Codes.

Meine Hunde haben noch nicht einmal den Rumpf in Stellung gebracht, um sich dem natürlichem Trieb des Ausscheidens zu ergeben, da schwäbelt mich einer aus dem Totenwinkel an: „Dass sie das ja sauber machen!“ Meist reagier ich mit einem ignoranten Verhalten, so wie wenn ein Lufthauch an einem vorbeizieht, was sich auch als sinnvoll erwiesen hat. Aber manche Personen fühlen sich dadurch erst recht aufgefordert einen weiter vollzutexten und dies dann auch noch in erzieherischer Tonlage. Entweder antworte ich: „Guten Tag kennen wir uns?“ Oder, wenn schon ärgerliche, unüberlegte Beleidigungen geäußert wurden, Berliner icke: „Ham’se keenen zuhause, den se anjölen können?“ Damit ist dann meist das Karussell für die assoziale Kommunikationsebene eröffnet. Langweilig, deren Inhalte, obwohl manche Formulierungen schon zum Schmunzeln einladen, hier nun wiederzugeben.

Ein immer ständiges Sakrileg ist, dass, wenn man nicht aufpasst, einer der Hunde an einen, der zur Verzierung installierten Pflanzentöpfe markiert, die oft in Kombination mit Bänkchen, jedoch am Häufigsten in Begleitung von Müll, in dieser Größe als Sperrmüll bekannt, vor Hausmauern vegetieren. Zwischen Ende Oktober und Mitte April ist die hauptsinnigste Aufgabe dieser Kübel, als Fastfood-Verpackungs Opferstöcke zu dienen. Oder direkt als Rattenfutterstellen, mit liebevoll zerbröckelten Brotresten bestückt. Wagt es jedoch ein Hund gleich welcher Rasse, Art oder Gesinnung, auf die dort verbriefte Botschaft zu reagieren, dann möge er und erst recht sein Besitzer sich bloß nicht dabei erwischen lassen. Diese frevelhafte Tat kann zu extremen Exzessen führen.

Erst neulich:
Wir waren noch keine drei Schritte von einem dieser Wintertrauerdekotöpfen entfernt, als eine erzürnte Dame im klassischen öko-lila-orange Wollfummel herausstürzte und mich darauf hinwies, dass ich ja meinen Hund mit der Leine von diesem Topf hätte wegzerren können. Ich schaute verdutzt auf, in die verkniffenen grauen Augen. Ihre verbitterte Mimik lies sie wahrscheinlich zehn Jahre älter aussehen als sie wahrscheinlich war. Wenn nicht, dann wäre sie locker über fünfundsechzig gewesen.

Ein lästiges Scharmützel meiner Erziehung, verlangt auch in solchen abartigen Situationen zu älteren Damen höflich zu bleiben. So entschuldigte ich mich: „Verzeihung, ich war wohl gerade abgelenkt und habe es leider nicht mitbekommen, tut mir Leid.“ Weiter erklärte ich: „Ich achte normalerweise immer darauf, dass meine Hunde nicht an Radfelgen, Töpfe etc. tröpfeln. Auch mache ich meinen Hundekot immer weg und trotzdem liegt so viel auf den Trottoirs.“ Ihr Blick wurde milder. „Naja, das kann schon mal vorkommen, dass man es übersieht, aber gesagt haben wollte ich es schon.“ „Klar, noch mal sorry,“ hörte ich mich reagieren. Ich war verwirrt, wußte aber nicht genau worüber. Darüber, dass ich mich so brav verhalten habe, trotz des verbalen Anblaffens oder darüber, dass ich mich wieder ungefragt von so einer habe anmachen lassen? Nein, ich war durcheinander, weil ich weiß, dass sie gar kein Recht hatte mich anzumeckern und ich es mir umkommentiert gefallen lies. Aus welchen juristischen Zusammenhang darf die das? Sie hat schließlich gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen, nicht ich und schon gar nicht meine Hunde und mein Kot ist es sowieso nicht.

Kotzen könnte ich über derart Bedrängung.

Jeder Gastronom muss für die Benutzung von öffentlichem Straßenland eine gebührenpflichtige Genehmigung erwirken und diese ökoverkleidete Sumpfkuh stellt ihre Behinderungsobjekte unerlaubt auf die Straße und pisst mich an, wenn Hunde diese für ihre Kommunikation nutzen. Ich habe doch nichts dagegen, wenn es Menschen gibt, die der Meinung sind, dass ihre Grünlandbemühungen eine Verschönerung des Straßenbildes darstellen. Meist jedoch fungieren sie als Dreckfänger von Straßenmüll, der durch verschiedene Winde und Wirbel den Bürgersteig entlang fliegt.

Also Freunde unterlasst es, wir Hundehalter sind nicht Freiwild, welches sich gefallen lassen muss von jedem angepöbelt zu werden. Seit Jahren wird es immer aggressiver, ich bin nicht der Spielball eurer Ungezügeltheit. Und genauso wenig, wie ich nicht im Kinderzimmer rauche, bin ich sozialkompetent genug, um meinen Verantwortungen als Hundehalter ohne Dumpfbackenkomentare nachzukommen. Und auch mich ärgert es, wenn Hundebesitzer den Kot nicht entsorgen und ebenso, dass jeder seine Essenreste auf die Straße oder in Pflanzenkübel wirft. Hört endlich auf die Ratten zu füttern, die bekommen weiß Gott genug. … Früher war bei Weitem nicht alles besser, aber hier im Kiez angenehmer. Wann entspannt es sich hier wieder? Dass das geht, habe ich vor Zeiten jahrzehntelang erlebt.

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Ich würde mich sehr geehrt fühlen, wenn ich für Sie vor Ort lesen darf.
Ob Lyrik, Kurzgeschichten, Fantasystorys oder Auszüge aus
Dragonwulf und der König – ich bin mit Freuden bereit.

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Alle Texte und Zeichnungen © by Ritter von Lehenstein